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Der Verein

 

Kurzer Abriss der Entwicklung des Karnevals in Geisa

 
1786 erster Beleg für den Karneval im Geisaer Amt
1880 spezielles Symbol für Geisa die Traditionsgeiß
1913 erster Geleitzug vor 20 Fahrzeugen fuhr durch die Stadt
1923 wieder ein großer Festzug mit Bauernhochzeit und einem "Nasenverein"
11.11.1938 Gründungsversammlung der Karnevalsvereinigung mit dem Schlachtruf „Zicke, zacke, zicke, zacke Geisaha!"; erster Präsiden: Adalbert Biel
1970 die AG Karneval wird in Geisa-Hinkelshagener-Carneval-Club (GHCC) umbenannt
 
 

Das Fastnachtsbrauchtum in Geisa – ein geschichtlicher Rückblick

 
Das Fastnachtsbrauchtum hat im Geisaer Gebiet eine jahrhundertealte Tradition. Der erste uns bekanntliche Beleg dafür stammt aus dem Jahre 1786 und befindet sich im Staatsarchiv Weimar. Damals wurde am 31. „Jänner" die „Hochfürstlich Fuldische Verordnung von (der) Hegung der Zeitgeschichte" als Druckschrift erlasse. Es heißt darin unter anderem:
 
„Von Gottes Gnaden Wir Heinrich Bischof und Abt zu Fuld, des heiligen römischen Reichs Fürst, Ihrer Majestät der römischen Kaiserin Erzkanzler, durch Germanien und Gallien Primas etc. ... haben Uns von Unserer nachgesetzten Regierung unterthänigst vortragen lassen, daß die sonst üblichen Zent-Saal-Noth- und Ruggerichte in verschiedenen Unseren Zentämtern theils nach dem bereits veralteten Formulen noch geheget, theils gänzlich unterlassen, thelis zwar mit nützlichern aber doch nicht zweckmässigen und einstimmender Einrichtung gehalten werden. Wie Wir nun diese Unordnung gänzlich abgeholfen, die dem heutigen Gerichtsbrauche ganz widersprechenden Hegungsarten weggeschafft, und eine einstimmige Weise mit mehrerem Nutzen hergestellt wissen wollen:
 
So verordnen und gebieten Wir andurch gnädigst, daß ... .... ein jedes Zentamt die etwa von uns geschehende Abänderung oder noch in das Fach der Polizei nöthig und (zu) erlassenden Verordnungen an schicklichen Stellen zu gleicher Einschärfung einschalte oder anhänge..."
 
Wie unsere Vorfahren diese Worte verstanden haben, ist in der anschließenden „Formul der neuen Gerichtshegung in dem Hochstifte und Fürstentume Fuld" zu erkennen, die als „Erinnerung an die Polizeigesetze" zu betrachten ist. Es finden sich darin eine ganze Reihe von handschriftlichen Zusätzen, so z.B. unter „XVIII. Sorge, wegen des Feuers": „Das Neujahrsschießen, die sogenannten Hahlräder, Vermummungen auf Nicolai oder Christvorabend, Faßnachtsbegräbnisse und alle dabei öffentliche und ärgerliche Spektakel sind der schwersten Strafe unterworfen."
 
Vermutlich handelte es sich bei dem im Staatsarchiv Weimar vorliegenden Dokument um das Arbeitsexemplar und die Handschrift des Geisaer Amtsvogt Franz Karl Gößmann, denn dieser schrieb in einer umfangreichen Denkschrift über den Zustand des hochfürstlichen Oberamts Geis und Rockenstuhl vom Jahre 1789 (Manuskript, ebenfalls im o.g. Staatsarchiv) unter anderem:
 
„... dergleichen (Missbräuche) waren noch beim Anfange meiner Administration
die ungeschickten und die öffentliche Ruhe störenden Vermummungen an dem Vorabend des Nikolausfestes, 
die Faßnacht- und Kirchweihbegräbnisse, 
die Schwarzfärbereien wegen Verbrechen, bei den Handwerkern, 
dieHahlräder und Durchziehung der Fluren, bei nächtlicher Weile, mit Strohfackeln,
das Spielen bei den Handwerkern, um (mit?) Messer und Karten...
vorhanden, deren Abschaffung ich mir aber durch besondere Amtsverordnungen eigens habe angelegen sein lassen, denn dergleichen Irrtümer um Mißbräuche schaden, ohne es zu wissen und würdigen den Menschen zum Vieh herab, wohingegend Tugend und Wohlstand die Seele wandeln und den Menschen in den Stand versetzen, in jeder Verbindung des Lebens sich und andere für izt und für die Zukunft glücklich zu machen..."
 
Seine hochfürstlichen Gnaden, Abt Adalbert III. v. Harstall, seit 1788 Nachfolger des o.g. Heinrichs v. Bibra, hatte die Denkschrift in Auftrag gegeben und wird über die Arbeit des fähigen Amtsvogts gewiß erfreut gewesen sein. Auch wenn Gößmann damit keine Sympathie für verschiedene alte Volksbräuche bewies, waren alle seine Amtshandlungen von einer Pflichtauffassung geprägt, die das Wohl der Bevölkerung, die Verbesserung der moralischen, physischen und politisch-ökon. Bedingungen im Oberamt Geisa/ Rockenstuhl zum Ziele hatten. Das Verbot einiger Rituale mag den alten Geisaern damals keinesfalls Freude bereitet haben. Aber andererseits fanden auch die Auswüchse bei den traditionellen Handlungen keine allgemeine Billigung. Doch im Widerstreit der Meinungen und Verordnungen lebten die schönsten Bräuche im Volke fort.
 
Der Rhöner feierte in früheren Jahren eine ganze Woche Fastnacht. Es begann mit den „feisten Donnerstag" und endete mit dem „Fastnachtsbegräbnis", das oft bis in die Mittagsstunden des Aschermittwochs andauerte. Oft kam dann noch das „Geldbeutelauswaschen" hinzu. Zwischendurch gab es Tanzabende, allerlei Mummenschanz am Rosenmontag und einen Festzug am Fastnachtsdienstag, der später auf den Montag verlegt wurde. In den Fastnachtszügen spielten 3 Tiere eine besondere Rolle. Zunächst war es der Hahn, dann kam der mit Erbsstroh umwickelte Bär als „wilder Mann" hinzu und seit 1880 als spezielles Symbol für Geisa die Traditionsgeiß.
 
Viele Details im Brauchtum sind mit den Jahren verflacht, verändert, vergessen. Der Ursprung ist oft nicht mehr klar. Von alters her war jedoch das Grundanliegen der Fastnacht die Enthemmung, das Bedürfnis des Menschen, ein anderer zu sein, für ein paar närrische Stunden aus der täglichen Schablone herauszutollen. Ein weiser Mann sagte: „Hier beichten sie willig und öffentlich vor jedermann selbst, wer sie sind."
 
Das Geisaer Fastnachtstreiben ist nach 1786 erst wieder seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts dokumentiert. (Siehe auch Rückblick in den Rosenmontagszeitungen 1950 und 1967 und Festrede anlässlich der Feier „200 Jahre Fastnacht in Geisa" am 04.01. 1986) Nach dem Oberstadt-Großbrand im Jahre 1883 dauerte es einige Zeit, bis die Geisaer wieder Freude an der Narretei fanden. Aber dann wurde es um so toller. Von einem „Zug ohne Ende" berichteten die Alten, an dem sogar angezogene Hunde und Katzen teilnehmen durften. Eine Gesangsgruppe unter Leitung von Richard Winter, dem größten Talent und Initiator der Jahrhundertwende, erfreute mit ihren Ständchen.
 
Im Jahre 1913 fuhr zum erstenmal „Prinz Karneval" Rudolf 1. (Braumeister Rudolf Kammandel) mit einem Geleitzug von 20 Fahrzeugen durch die Stadt. Die heranwachsende Schuljugend war es, die nach dem 1. Weltkrieg die alte Tradition trotz Trauer und Not wieder aufleben ließ. 1923 gab es dann wieder einen großen Festzug mit Bauernhochzeit und einem "Nasenverein", der im Lindensaal abends eine feierliche Nasenparade mit Nasenzeichnung durch die Eichmeister durchführte. Nicht fehlen durften zur Fastnacht auch die närrischen Kapellen. So gab es um 1900 eine Blaskapelle unter Leitung von Julius Heinemann, die sich ihre Instrumente aus Schiffrohr selbst gefertigt hatte. Nach dem 1. Weltkrieg dirigierte Lehrer Ludwig Faber seine "Zigeunerkapelle". Ein Klavier wurde auf einem Speditionswagen durch die Stadt gefahren. Zur gleichen Zeit entstand die erste "Hengergässer Kapell" mit provisorischen Pappinstrumenten. 1931 wurde die "Ebertsche Blaskapelle" aus selbstgebastelten Blechinstrumenten von Anton Ebert ins Leben gerufen, der als 1. Trompeter auch Dirigent war. 1932 übernahm das "Zigarrenhaus" Anton Deschauer diese Kapelle unter dem Namen "Marek Weber".
 
Nach bewegten Jahren mit vielen närrischen Ideen wurde 1938 die organisierte Form der Brauchtumspflege für die Fastnachtstage beschlossen. Lassen wir einen der Initiatoren von damals, den einzigen noch lebenden langjährigen Aktiven, Herrn Josef Ebert, Kronschatzmeister und Exprinz Seppchen Kaspar vom Oberrain, erzählen:
 
„Es war vor 50 Jahren. Am Ortseingang von Bremen sah ich ein Schild mit der Aufschrift: "Das Geld des Dorfes dem Dorfe." Zornig dachte ich darüber nach, daß vergleichsweise zur Fastnachtszeit die Geisaer Bürger Jahr für Jahr viel Geld ins Rheinland und ins Hessische, besonders nach Fulda, trugen. Warum sollte gleichermaßen organisiertes närrisches Treiben, gleiche Freude nicht auch in Geisa möglich sein? Und viele waren meiner Meinung, daß man dazu etwas Konkretes unternehmen müsse. Die Leitung des Turn- und Sportvereins Geisa nahm sich der Sache an, und so schickten wir eine Einladung mit den Unterschriften von Josef Schmelz (T. u. S.-Kassierer) und mir (T. u. S.-Schriftführer) an alle Interessierten. Die Gründungsversammlung fand am 11. 11. 1938 in der Gastwirtschaft von Anton Will 1 („Barönche") statt. Von den laut Urkunde 37 Anwesenden leben heute nur noch 4. Robert Ebert, Kurt Reisig, Anton Heller und Josef Ebert. Mein Bruder Robert und ich sind in Geisa geblieben."
 
Erster Präsident wurde der 1. Vorsitzende des Turn- und Sportvereins, Adalbert Biel. Das Gründungsfoto zeigt Elferat und Präsidium. Als Motto der Saison dichtete Ludwig an Houben (L. Günther): „Vom Schlummer erwacht, ganz Geisa jetzt lacht". Und Lehrer Josef Klug bereitete aus diesem Motto das erste Geisaer Schunkellied ("Bo goabs das free-er - . .."), das wir auch heute noch mit besonderer Freude singen.
 
Bereits in der 1. Elferratssitzung beim Gastwirt "Polle" am 16. 11. 1938 erklang der Schlachtruf: „Zicke, zacke, zicke, zacke Geisaha!". Und Geisa erhielt den Beinamen "Hinkelsagen". Die Karnevalsvereinigung (KVG) zählte bald 61 erwachsene und 38 jugendliche Mitglieder.
 
Der 1. nun klar organisierte Karneval brachte unter dem Volke eine Euphorie ohnegleichen und wurde mit stattlichem Aufwand mit Prinzenpaar, Hofdamen, Pagen, Elferrat, Bürgerwehr, Rekruten und Kolonialgruppe gefeiert. Wunderschön waren die Kappenabende, die vom 7. 1. 39 an nacheinander in den Gaststätten Anton Will 11 („Barönche") mit neu eingerichtetem "Dachsbau", „Grüner Baum" (früher Kohl); nach der Kürung Palais des Prinzen, "Krone" ("Polle") und Bierhalle ("Pariser") mit Gesang und Büttenreden und bei ausgezeichneter Stimmung stattfanden. Vor dem Eingang standen jeweils 2 Gardisten am Schilderhaus Wache. In der mit großem Erfolg im „Lindensaal" durchgeführten 1. Fremdensitzung unter dem Motto „Je töller, je lewer!" wurde dann am 12. 02. das erste Geisaer Prinzenpaar gekürt. Auf der geschmückten Bühne stellten sich Prinz Robertus I. (R. Müller) und Prinzessin Liesel vom Rockenstuhl (L. Faber) dem närrischen Volke vor. Alles wartete nun auf den kommenden Sonntag und auf Rosenmontag.
 
 

Auf den Plakaten stand zu lesen:

 
„19. 2. - Feierliche Eröffnung des Heimatfestes (14.00 Uhr)
 
Schlüsselübergabe an den Prinzen Karneval
(Gefangensetzung des Bürgermeisters und seiner Stadträte)
Parade der Hinkelshagener Bürgergarde
Vereidigung der närrischen Rekruten
Regierungserlaß des Prinzen
Anschließend 2. große Fremdensitzung im „Lindensaal"
Abends großer Preis-Maskenball
 
20.2. - Rosenmontagsumzug
 
Abends Tanz in allen Sälen Geisas, wo eine schneidige Militärkapelle verteilt 
aufspielt."
 
Die Geisaer und ihre zahlreichen Gäste erlebten 2 herrliche Fastnachtstage. Die Eintrittskarten galten in allen 3 Sälen, im „Lindensaal", im „Stern" und in der „Bierhalle". In der 1. Geisaer Rosenmontagszeitung ist die Zufolge zu lesen:
Gruppe l
1) Herold
2) Herrenreiter
3) Bürgergarde
4) Musik 1. Zug
5) Moorenknaben
6) Stadtpolizei
7) Präsidium
8) Wagen „Vom Schlummer erwacht"
 
Gruppe II
9) Damen-Pensionat
10) Wagen Elferrat
11) Musik 2. Zug
12) Wagen Prinz Karneval
13) Gefolge des Prinzen
14) Kolonialtruppe
15) Dornröschen
16) Indianergruppe
 
Gruppe III
17) Närrische Rekruten
18) Motorisierter Seehund
19) Eine unbekannte Gruppe
20) Schlachtschiff „Hinkelshagen"
21) Hamburg ahoi
22) Geisa vor 300 Jahren
23) Verschiedene Fußtruppen
 
Überschwenglich berichtet eine Eisenacher Zeitung: „Wir haben eine Fastnachtsfeier miterlebt, daß uns fast der Atem verging. Unsere Fahrt durch die verschneite Rhönlandschaft haben wir nicht bereut. Im Gegenteil, das, was wir erlebt und gesehen haben, hat unsere hochgeschraubten Erwartungen weit, weit übertroffen. Als wir uns im dichtesten Gewühl der Narren und hübschen Närrinnen durch die Haus für Haus geschmückten Straßen der Ulsterstadt treiben ließen und aus allen Fenstern Konfetti und Papierschlangen auf uns herabregneten, als wir mit den ungezählten Einheimischen und Freunden, den Leuten aus den ganzen Nachbardörfern dem prunkvollen Rosenmontagszug mit dem Prinzen und der Prinzessin Karneval unseren Schlachtruf: „Geisa-ha" zuschrien, da fühlten wir uns an den Rhein versetzt, glaubten in Köln zu sein, in Düsseldorf oder in Mainz, nicht aber in der kalten und rauhen Rhön ...
 
Sämtliche Betriebe hatten von Mittag ab geschlossen, und als der Umzug, der ein wenig- unter dein Schneetreiben litt, sein Ende gefunden hatte, waren Augenblicke später alle Gaststätten Geisas (und das sind nicht wenige) überfüllt, und es klang aus ihnen Musik, Gesang und herzliches Lachen. Für die erst gegründete Karnevalsvereinigung Geisa ist die Fastnacht ein durchschlagender Erfolg geworden, wenn man erfährt, daß die letzte ähnliche Veranstaltung im Jahre 1913, durchgeführt worden ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß der ehemalige Karnevalsprinz Rudolf Kammandel seinem Nachfolger den prinzlichen Ring überreichte, der ihm selbst vor 26 Jahren als Zeichen seiner Würde verliehen wurde . . .". Für die allgemeine Begeisterung mag noch folgender Beweis stehen: Der närrische Ausscheller Karl Fischbach, Holzbildhauer und Arbeiter in der Möbelfabrik, gab im Auftrag des Präsidenten bekannt, daß die Straßen von Schnee zu räumen seien. Zwei Stunden später hatten die Geisaer ihre Straßen saubergefegt. Doch die Freude der -Menschen war nur von kurzer Dauer. Der Faschismus begann in den Wahnwitz des II Weltkrieges hineinzusteuern. Die Jugend war es, die 1946 wieder mit dem närrischen Treiben begann. Und 3 Jahre nach dem totalen Zusammenbruch der Naziherrschaft und dem unsagbaren Leid der Kriegs- und Nachkriegszeit bemühten sich die demokratischen Organisationen (FDJ, FDGB, SG Geisa und Ortsausschuß der VS Geisa) mit dem Neuaufbau des Geisaer Karnevals. Am 26. 11. 1949 kamen die ehemaligen Mitglieder beim „kleinen Pariser" zusammen. Man prägte den Wahlspruch: „Halt nur schö zusomme, vill annere wern noch komme".
 
Und in der Tat meldeten sich 56 neue Mitglieder. In den EIferrat wurden neu die Narrenfreunde Otto Brosinski, Aloys Etzel, Adolf Ritz, Wilhelm Bader, Bernhard Möller und Josef Gärtner aufgenommen. Ins Präsidium kam neu Valentin Reinhard. Die Saison 1949/50 schloß dann wieder an die vor 11 Jahren geprägte Traditionsform an, und über viele Jahre - mit wechselnden Problemen in der jeweiligen Leitung - blieben die Geisaer ihrem Karneval treu.
 

1956 wurde verkündet:

 
Der alte Ruf hielt nicht mehr stand, 
Houben den neuen Narrenruf erfand.
 
Wir rufen nicht nur Geisa-ha,
der neue Narrenruf ist da.
Geis am Rain im Doppelgleis
ruft einig jetzt: "Hier meckert die Geiß!"
Das 25jährige Jubiläum der Gründung des KVG wurde im Jahre 1964 zu Ehren des Silberpaares Robertus I und Liesel v. Rockenstuhl mit großein Gepräge gefeiert.
Autor: W. Ritz in Geisaer Rosenmontagszeitung 1988
 

Geisa-Hinkelhagener Karneval nahm ungeahnten Fortgang

 
Die 50 Jahre brachten für den Geisaer Karneval ein Auf und Ab. Nachdem sich die Karnevalsvereinigung 1951 vorübergehend der neugegründeten Ortsgruppe des Kulturbundes als selbständige Arbeitsgemeinschaft angeschlossen und als solche das 1949/ 50 begonnene Treiben fortgesetzt hatte, gab es bereits 1952 wieder eine Unterbrechung. Mitglieder der Kulturbund-Ortsgruppe hatten am 8. 2. 1953 in den bereits zur Einrichtung des Heimatmuseums im „Amtsgericht" gehörenden und renovierten Räumen mit einem karnevalistischen Heimatabend die Tradition hochgehalten, doch auch in der Saison 1953/54 kam es durch die Karnevalisten zu keinen närrischen Aktivitäten. Erst in der Saison 1954/55 besannen sich die Geisaer Karnevalisten auf ein Neues. Erstmals zog mit Prinz Jupp 1. v. Siebenborn und Prinzessin Hildegard vom Lenzenstamm ein Prinzenpaar der närrischen Rainstadt in das neuerbaute Kulturhaus ein. Die Saison 1955/56 ließ man nochmals mit vollem Programm vom 11. 11. bis Aschermittwoch unter dem Motto "Hier meckert dies Geis" folgen. Doch dann war es wieder vorbei. Darüber war die Geisaer Jugend zu recht empört. Sie ergriff die Initiative, und unter dem Motto „Me-i maches" beherrschte sie während der Faschingstage 1957 mit dem Jugendprinzen Phipp der Eiserne von der Braugass das närrische Treiben. Für die alten Karnevalisten war dies eine echte Herausforderung. Als Volkskunstgruppe der BHG unternahm die alte Karnevalsvereinigung den Versuch, die Saison 1957/58 voll durchzuziehen. Dann war es endgültig mit ihrem Elan vorbei.
 
Nach verschiedenen Anläufen ergriffen dann 1961/62 die jungen Karnevalisten wieder die Initiative und führten mit Prinz Phipp 1. vom Weinberg (dem einstigen Jugendprinzen) und Prinzessin Erika vom Fürstenstein und dem Präsidenten Bernhard vom Schloßberg die alte Tradition fort. Sie hatten sich dem Klub der Werktätigen als Arbeitsgemeinschaft angeschlossen und vorgenommen, den Karneval in Geisa weiterzutragen. Einmal noch sollte Geisa-Hinkelshagen die Saison 1962/63 lediglich mit einigen närrischen Veranstaltungen erleben, dann eröffnete man mit Prinz Rolf I. vom Adlerhorst zur Polleburg und Prinzessin Ursula vom Rainfels den Reigen der Prinzenpaare ohne Unterbrechung, übrigens 25 Jahre nach dem ersten Prinzenpaar des Geisaer Karnevals.
 
Von der alten Garde standen den jungen Narren nach anfänglichem Zögern Ludwig van Houben (L. Günther), Anton von der Au (A. Kling) und Franz von Hinkelshof (F. Heller) als Büttenredner, Mathias vom Ammenhof (M. Rohm) als Komponist Geisaer Karnevalsschlager. Alois vom Bornrain (A. Etzel) als närrischer Hofsänger und Wilhelm Rommel als närrischer Stadtkommandant (1958 gemeinsam mit Maria Bader als Maskenprinzenpaar) aktiv zur Seite.
 
Zur Bereicherung des närrischen Treibens trugen auch eine Reihe von Gruppen bei, die sich in den zurückliegenden Jahren formiert hatten. Da sind die „Blauen Funken" - ebenfalls eine AG des Klubs der Werktätigen - zu nennen. Auf Initiative von August Rohm Mitte der 50er Jahre entstanden, nahmen sie vor allem unter der Leitung von Franz Heller eine enorme Entwicklung. Beim Karneval fehlten sie nie, und sie haben dann vor allem mit ihrem später gegründeten Fanfarenzug den Ruf Geisas zur Narrenzeit durch nahezu jährliches Mitwirken am Wasunger Karnevalsumzug, über die Grenzen der Stadt bekannt gemacht.
 
Mit ihrem Schloßgartenfest in den Sommermonaten haben die „Blauen Funken' zu einer echten Bereicherung des kulturellen Lebens der Stadt und Umgebung beigetragen. Neben den „Blauen Funken" sind die „Türken' zu nennen, die ihre Gründung Josef Winter zu verdanken haben. Als Schutzgarde des Prinzenpaares haben sich die „Schwarzen Panther" vielfach bewährt, die ebenso wie die Bürgerwehr in den 50er Jahren entstanden sind und jetzt auch als Gruppen fortan mitwirken. In der Saison 1964/65 treten erstmals die Geisbach-Lerchen als Gesangsgruppe mit den Initiatoren Alois Etzel und Wilhelm Ritz sowie der Pianistin Christa Kling-Etzel in Programmen auf. Während 1955 die „Rainspatzen" als Gesangs-Trio mit närrischen Liedern in Programmen zu hören waren, verbanden die Geisbach-Lerchen mehrstimmigen Gesang mit szenischem und akrobatischemGestalten bei ihren Darbietungen. Die Chorgemeinschaft setzte in den Folgejahren in nahezu 20 Programmen diese Tradition fort. Neu hinzugekommene Gruppen traten in den 70er und 80er Jahren als Hinkelshagener Grenadiere und Hinkelshagener Garde vorübergehend in Erscheinung, bevor ein Teil ihrer Mitglieder in den Standardkollektiven wie Elferrat und Bürgerwehr aufgenommen wurden.
 
Seit 1968 kann man sich in Geisa-Hinkelshagen die verschiedenen närrischen Ballettgruppen nicht mehr wegdenken. Zunächst war es ein närrisches Ballett unter Leitung von Ute Wirsing-Fritsch, das für eine echte belebende Abwechslung in den närrischen Programmen sorgte. In den 70er Jahren bis in die 80er Jahre war es besonders Frau Hildegard Simmang als Ballettmeisterin zu verdanken, daß diese Tradition mit Ballettgruppen verschiedenen Alters, aber auch durch ein Männerballett und heute durch deren Schülerinnen fortgesetzt wurde.
 
Viele Jahre erlebte die Geisaer Narrenwelt in Programmen und bei Umzügen die Frauengymnastikgruppe als "Rocky-Tockys" und die Sektion "Heben und Kippen". 1970 wurde die AG Karneval in Geisa-Hinkelshagener-Carneval-Club (GHCC) im Klub der Werktätigen umbenannt. Damit begann nicht nur die nahezu 15jährige Präsidentschaft von Exprinz Wolfgang I. v. Rockenstuhl (W. Faber), dem inzwischen auf dem Präsidentenstuhl Exprinz Ernst I. v. Hinkelshagen (E. Quentmeier) - für 3 Jahre - und Peter vom Schloßberg zu Gangolfi (P. Kling) folgten, es war auch eine ständige Qualitätssteigerung in den folgenden Jahren zu verzeichnen.
 
Im Laufe der Jahre haben sich währen einer Saison Traditionsveranstaltungen entwickelt, so die Eröffnungsveranstaltung am 11. 11. oder an einem der folgenden Samstage mit närrischem Programm; die Fremdensitzung (hier sind oft befreundete Karnevalklubs mit eigenen Programmen oder einzelne Büttenredner aus Nachbarklubs aufgetreten); die Prinzenkürung mit einem weiteren närrischen Programm ebenso wie die Gala-Damensitzung. Übrigens ist es bei den Programmen des Geisaer Karnevals eigen, daß oft auch auf der närrischen Bühne Redner zu bewundern sind, die nicht einmal Mitglied des GHCC sind. Aus dem einstigen „Hofball" wurde der „Ball des GHCC", an dem sich heutzutage neben den eigentlichen Aktiven aus Präsidium, Elferrat, Damenkomitee sowie den Garden und Gruppen Vertreter der demokratischen Öffentlichkeit und der den GHCC unterstützenden Gruppen beteiligen. Bevor in Geisa-Hinkelshagen die „3 tollen Tage" ihren Lauf nehmen, wurden in den letzten Jahren auf Grund der großen Nachfrage in einer Sonder-Gala-Schau die besten Beiträge der drei Programme wiederholt. Der Einladung des katholischen Pfarrers zu einem geselligen Nachmittag während der 60er und 70er Jahre in das Pfarrhaus, seit 1981 in das Athanasius-Kircher-Haus folgten nicht wenige der Aktiven des GHCC. Für die betagten Bürger und Gäste der Rainstadt bietet der GI-ICC schon seit den 70er Jahren ein Wiederholungsprogramm jeweils am Samstag vor dem absoluten Höhepunkt einer Saison. Dieser Höhepunkt - die „3 tollen Tage" - werden am Sonntagnachmittag mit der Schlüsselübergabe nach einem Umzug des närrischen Hofstaates durch die Stadt vor dem Rathaus begonnen, der sich abends seit Anfang der 80er Jahre der Kostümball (einst am Rosenmontag) anschließt. Am Rosenmontag trifft sich vormittags die Narrenwelt in den von 18 Gaststätten übriggebliebenen vier Lokalen der Rainstadt zum traditionellen Frühschoppen.
 
Der Rosenmontagsumzug erlebte in den letzten Jahren am Nachmittag eine gewaltige Entwicklung. Waren es in den 70er Jahren bis zu 500 Mitwirkende, so steigerte sich dieses im Jahr 1988 auf über 850.
 
Vor allem das Mitwirken zahlreicher bunt und vielfältig kostümierter Fußgruppen zwischen den närrischen Wagen geben den heutigen Umzügen ein farbenprächtiges Gepräge. Gäste unseres Rhönstädtchens zum Umzug wundern sich oft, daß die Geisaer trotz oft widriger Witterungsbedingungen (so u. a. 1987 Eisregen) ihren Umzug durchführen.
 
Abends trifft sich die Narrenwelt zum Rosenmontagsball im närrischen Palais (Kulturhaus "Rudi Arnstadt"). Der Fastnachtsdienstag ist am Nachmittag zunächst den kleinen Narren vorbehalten. Nach dem närrischen Kinderumzug begibt man sich zur närrischen Sitzung der jungen Narren, wobei sich die kleinen und größeren Kinder nicht auf die traditionellen Narrenkräpfchen und den Kakao (beides wird kostenlos gereicht) freuen.
 
An diesem Nachmittag besucht das Prinzenpaar auch noch nach zahlreichen anderen Verpflichtungen im Laufe ihrer närrischen Regentschaft gemeinsam mit einigen Mitgliedern des Hofstaates die Kranken im St.-Elisabeth-Krankenhaus, um sie an den Faschingsfreuden teilnehmen zu lassen. Der „Kehraus" der Saison am Abend vereint nochmals Hunderte im Kulturhaus, um vor Mitternacht die Abtakelung des Hofstaates und zu guter Letzt des Prinzenpaares - oft unter Tränen - mitzuerleben.
 
Die Geisaer Narrenwelt betrachtet den festlichen Trubel zu Fastnacht in früheren Jahren und den Karneval in den letzten 50 Jahren in einer Traditionslinie. Daher war es nur zu verständlich, daß man in der Saison 1985/86 mit einem prächtigen Jubiläumskarneval der ersten urkundlichen Erwähnung des Fastnachtsbrauchtums in dem Verbotserlaß des Arntsvogtes F. K. Gößmanns gedachte. Nicht unerwähnt bleiben darf, daß schon seit den 60er Jahren die Geisaer Narren am Hutzelsonntag für das in der Rhön bekannte Hutzelfeuer verantwortlich zeichnen. Auch nach dem Hutzelsonntag legen sie nicht ihre Hände zum Ausruhen in den Schoß. Oft sind sie gerade die ersten in der Stadt Geisa, die in der Bürgerinitiative, beim Aufarbeiten von Bruchholz im Wald zu finden sind. Familiennachmittage zum 1. Mai oder zum „Tag der Republik"- von den Männern und Frauen des GHCC mit Kaffee und Kuchen sowie allerlei Unterhaltsamen für jung und alt organisiert - erfreuen sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit.
 
Der Geisaer Karneval hat sich besonders seit Bestehen unserer Republik zum größten Volksfest in dem einstigen „Geisaer Amt", dem heutigen Gemeindeverband Geisa, entwickelt.
 
Möge ihm auch fernerhin eine weitere gute Entwicklung beschieden sein, wozu die Sicherung des Friedens unentbehrliche Voraussetzung ist.
 
Autor: Franz-Adolf Krebs in Geisaer Rosenmontagszeitung 1988

 

Aktualisiert (Dienstag, den 20. September 2011 um 08:19 Uhr)