Niemand erriet das Prinzenpaar
In Geisa, der Rhöner Karnevalshochburg, wurde am Samstag das neue Prinzenpaar gekürt.
In der Narrhalla, dem Kulturhaus, blieb kein Platz frei.
Geisa – Prinz Siegfried III. von der Grünen Au (Siegfried Henkel) und Prinzessin Annika IV. vom Schleidsberg (Annika Bader) führen das närrische Regiment in Geisa-Hinkelshagen. Spannend blieb es bis zum Schluss, wer wohl den närrischen Thron besteigt. Bis zum Samstagmittag konnten im Internet, auf der Homepage des GHCC, Tipps abgegeben werden. 138 Voten gingen ein, doch das Prinzenpaar war nicht dabei, zog Heribert Mohr, Präsident des GHCC, Bilanz. „Trotz Facebook und Twitter gelang es uns, das Prinzenpaar geheim zu halten. Das ist schon eine große Sache in der heutigen Zeit“, meinte Mohr. Auf Prinz Siegfried hatten immerhin 18 Stimmen getippt, Prinzessin Annika erriet hingegen niemand. Ein mehrstündiges, abwechslungs reiches Programm wurde dem Publikum am Samstag geboten. Den ersten Gardetanz legten Gäste aus Sünna aufs Parkett: Die „Grüne Garde“ des Rumpelshäuser Carneval Clubs bot ein Tanz-Medley. Elferratspräsident Michael Günther ging in die Bütt und plauderte über die Prinzenmütze in närrischer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 56 Prinzenpaare hat es bislang in der Ulsterstadt gegeben. Günther würdigte sämtliche Jubiläums-Prinzenpaare. „Vergessen Sie Mainz, vergessen Sie Köln und Aachen – hier in Geisa geht es richtig zur Sache“, sagte er. Auch über den noch nicht in Fahrt gekommenen Winter sinnierte der Elfer-Präsident und trug einen Text von Volker Henning vor. Darin wird als Ursache ein Ehekrach im Haus Holle beschrieben, in dessen Folge Frau Holle die Flucht ergriffen habe.

In den Orient entführte die „Grüne Garde“ des GHCC das Publikum, unterstützt von „Pascha Sebastian“ – passend zum 50-jährigen Bestehen des Türkenbunds, einer Gruppe des Geisaer Karnevals. Gabriele Schäfer und Jutta Glanz aus Zella wollten in ihrer Mundart-Bütt eine Garde der „silbernen Generation“ gründen. „Von U 7 bis Ü 30 schmeißen sie die Beine in die Höh‘“, da wollten sie nicht außen vor bleiben. Zunächst hatten sie Sponsoren gesucht: „Wir hätten jede Menge Werbeflächen zu bieten“. Als Bekleidung wählten sie knielange Röcke, weil man unter diese lange Unterhosen drunterziehen könne. Das Tanzen zu erlernen, versuchten sie beim Seniorentanzver ein, in einer Ballettschule, in einer Salsa-Tanzschule – doch flogen sie überall raus. Daher beschlossen sie, doch keine Garde zu gründen und lieber eine Büttenrede zu halten. Die beiden Zellaerinnen waren kurzfristig eingesprungen, weil ein anderer Büttenbeitrag wenige Tage vor dem Programm abgesagt worden war. In der Zeitung hatte Moderator Stefan Günther von Gabriele Schäfer und Jutta Glanz gelesen, sie angerufen und eine Zusage bekommen. „Das sind närrische Nothelfer“, lobte Günther. Nachdem die „Rote Garde“ einen Tanz aufs Parkett legte, erlebte das Publikum eine Schulstunde. Rebecca Göb, Nadja Klöpfel, Dorian Hammerschmidt und Ralf Willsau boten gespielte Schulwitze. Zunächst ließen sich die Schüler ein Bier bringen und fläzten sich auf ihre Stühle. Warum Küken aus den Eiern schlüpfen, wollte der Lehrer wissen. „Weil sie Angst haben, mitgekocht zu werden“, so die Schüler-Antwort. Krönenden Abschluss des ersten Programmteils bot traditionell die Männertanzgarde Bachrain. Diesmal boten die Tänzer eine Zirkus-Vorstellung mit Pferden, Raubtieren, Clowns, Musikanten und natürlich dem Zirkus-Direktor. Die mit Stimmungsliedern überbrückte Pause beendeten der Countdown und Böllerschüsse. Dann öffnete sich der Vorhang und das neue Prinzenpaar nebst Hofstaat grüßte das Publikum. Für Erheiterung sorgte ein Versprecher von Elferratspräsident Michael Günther, als er die „blauen Panther“ mit dem Schutz des Prinzenpaares beauftragte. „Leute, das sind Gefühle!“, meinte er. Die „Schwarzen Panther“ traten trotzdem auf die Bühne und übernahmen ihre Aufgabe. Das Ex-Prinzenpaar Prinz Ralf IV. vom Rockenstuhl und Prinzessin Eva Mariann III. vom Schleidsberg übergaben die Insignien an ihre Nachfolger, wünschten ihnen viel Spaß und schönes Wetter beim Rosenmontagsumzug. In seiner Proklamation forderte Prinz Siegfried III. von der Grünen Au die Geisaer auf, den besten Karneval zwischen Mainz, Düsseldorf und den Sternen zu feiern. „Traut euch in die Bütt und macht Programm, damit wir alle Spaß haben zusammen“, erklärte er, bevor das Prinzenpaar den Tanz eröffnete.
