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70 Jahre Karnevalverein - Zensierte Büttenreden

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Zensierte Büttenreden

1970 nannte sich die „AG Karneval“ in „Geisa-Hinkelshagener-Carneval-Club“ (GHCC) um. Der Rosenmontagszug nahm in den folgenden Jahren immer größere Dimensionen an. In den 70er-Jahren wirkten rund 500 Geisaer und Gäste mit, 1988 waren es bereits mehr als 850. Die Lage im DDR-Grenzgebiet beschränkte damals die Zahl auswärtiger Besucher: Nur mit gültigem Passierschein durfte das Sperrgebiet betreten werden. Zudem betrachteten die Machthaber in der DDR das närrische Treiben mit Argwohn. Freie Meinungsäußerung in Büttenreden und anderen karnevalistischen Beiträgen waren nicht gewollt. Daher mussten die Manuskripte vor der Veranstaltung stets mehrfach zur Zensur eingereicht werden. Damals galt es, vor allem zwischen den Zeilen Politik-Kritik rüberzubringen – eine Herausforderung für die Büttenredner.

1987 übernahm Peter Kling die Präsidentschaft und führte den Verein 21 Jahre lang erfolgreich. In seiner Amtszeit gelang es, den Geisaer Karneval auch über die Region hinaus bekannt zu machen. Nach der friedlichen Revolution und der Grenzöffnung nutzten die Geisaer Karnevalisten die gewonnene Freiheit. Närrische Gruppen aus dem benachbarten Hessen gehören seitdem zu jedem Geisaer Karneval. Doch auch im thüringischen Umland konnten mit dem Wegfall des Sperrgebietes Kontakte geknüpft werden, die vorher nicht möglich waren. Peter Kling initiierte neue Traditionen wie das Ex-Prinzenschlagen, wobei das Prinzenpaar der Vorsaison zur Novemberveranstaltung eine (meist gemeinnützige) Aufgabe gestellt bekommt.

Die Karnevalisten sind auch abseits der Bühne für ihre Heimatstadt aktiv. So halfen sie bei Aufforstungsarbeiten im Stadtwald, initiierten den Wiederaufbau des Geisaer Waldhäuschens, unterstützen Kindergärten, Altenheim, organisierten Benefizveranstaltungen. Doch auch bei Veranstaltungen wie der 1175-Jahrfeier, dem Athanasius-Kircher-Fest und dem Geiserämterfest waren die GHCC-Mitglieder aktiv dabei.

Im November 2008 übergab Peter Kling den Präsidentenstab an Heribert Mohr, der versprach, den erfolgreichen Weg des Geisaer Karnevals fortzusetzen. „Der GHCC ist einer der wenigen Vereine in Thüringen, die sowohl Bühnen- als auch ausgelassenen Straßenkarneval organisieren“, betont er. 1300 Mitwirkende beim Rosenmontagsumzug, reichlich 20 Stunden Büttenprogramm pro Saison, sechs Sitzungen (Eröffnungssitzung, Fremdensitzung, Prinzenkürung, Damengala, Prunksitzung, Seniorenfastnacht), drei Bälle (Kostümball, Rosenmontagsball, Kehraus) belegen die Dimension des Geisaer Karnevals. „Wir haben aber auch ein sehr aufmerksames, mitmachendes Publikum und feste Tischformationen, die gemeinsam Kostüme entwerfen und anfertigen“, sagt Heribert Mohr. Diese kostümierten Tischgruppen sind alljährlich ein wichtiger Bestandteil des Rosenmontagsumzugs. Der Verein GHCC als Lokomotive und das närrische Volk von Geisa als aktive Mitreisende, dieses Zusammenwirken sieht Heribert Mohr als Erfolgsrezept des Geisaer Karnevals. Die Ulsterstadt gilt als Narrenhochburg Westthüringens und hat zweifelsohne den längsten Schlachtruf im Freistaat: „Zicke Zacke Zicke Zacke Geisa ha, Zicke Zacke Zicke Zacke Geisa ha, Zicke Zacke Zicke Zacke Geisa ha. Hier meckert die Geiß. Hier meckert die Geiß. Hier meckert der Geißbock. Hier meckert das Geißböckchen!“