Geschichte von der Geiß
Ohne Tollitäten und Lieblichkeiten
funktioniert kein Karneval. Richtig bunt wird das alljährliche Faschingstreiben
aber durch ortstypische Originale. Ob Till Eulenspiegel, Sauser, Erbsbär oder
unsere Geiß- in Thüringen ist eine Vielfalt von Faschingsfiguren bekannt. Unser
Till, seit einigen Jahren durch B. Dücker verkörpert, genießt die
„Narrenfreiheit", alles offen an- und auszusprechen, was sich übers Jahr
angestaut hat.
In Geis' dreht sich alles um die Geiß. Geisbach, Geismühle, Geisrain,
Geisschänke,' sogar unser Schlachtruf, übrigens der längste Thüringens, nimmt
auf die Narren-Geiß Bezug. Dass die Geiß unser Wappentier ist, hat seinen
Ursprung im Jahre 1763. Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges unternahm
Fürstbischof Heinrich von Bibra eine Inspektionsreise durch das ganze Bistum
Fulda. Dabei besuchte er auch unsere Stadt. Da die Geisaer eine bis heute
begründete Angst vor neuen Steuern und Abgaben hatten und haben, bauten sie das
Bild einer Ziege (Geiß) über dem Marktbrunnen auf und befestigten darunter ein
Plakat, auf dem die Worte standen:
"Ich arme Geis' ward vollends arm durch Kriegsnot, dass uns Gott erbarm.
Ach, was mir blieb noch über, nimms nicht o Herr von Biber."
Von dem originellen Einfall soll der Fürstbischof so gerührt gewesen sein, dass
er der Stadt keine weiteren Lasten auferlegte. Waren das Zeiten, mag sich heute
mancher Straßenanlieger denken. So ist es nicht verwunderlich, das dieses
-zuweilen auf umliegenden Dörfern bis heute verspottete- Haustier hoch in der
Gunst Geisaer Bürger steht und jährlich die Spitze des Rosenmontagsumzuges
bildet. Es wird auch gern als Zugtier benutzt.
