Närrisches Lexikon
| Fasching | Zeit allgemeiner Vergnügungen und Maskenfeste. In der Rhön hat dieses Wort keine Tradition, ist aber heute ebenfalls im Sprachgebrauch. |
| Fastnacht | Ursprünglich die Nacht (der
Abend) vor der Fastenzeit. Später Erweiterung des Begriffes auf die Fastnachtstage. (Aussprache in Geisa früher „Foasenacht", dann „Fasenacht", heute „Faßnacht"). |
| Fastnachts- begräbnis |
Eine lange, von Fastnachtsdienstag bis Aschermittwoch Mittag währende Zeremonie, in deren Mittelpunkt der Bau und (unter ständigem Verprügeln) die gerichtliche Aburteilung einer maskierten und schrullig bekleideten Strohpuppe stand. Stets war es ein Verbrennen, Verscharren oder Ersäufen. Verschiedentlich wurde der Bau der Puppe auch mit dem Reinigen und anschließenden Einsalzen des Brunnens verbunden und die Puppe als Brunnenfeger bezeichnet, der schlechte Arbeit geleistet hat. |
| Fastnachtsspiel | volkstümliches komisches Spiel,
im Ausgang des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit zumeist als
Theaterstück in Knittelversen und mit bürgerlich-satirischem Gehalt -
ursprünglich zur Fastnacht aufgeführt, später nicht mehr an die eigentlichen
Fastnachtstage gebunden. (Wasungen begründet seine lange Karnevalstradition mit einer Bierrechnung aus dein Jahr 1524 zur Aufführung eines Fastnachtsspiels.) |
| Feister Donnerstag | An diesem Tag musste man essen,
„dass einem der kleine Finger steht". Hauptmahlzeit waren
Kartoffelpfannkuchen, sogenannte Eselsförz. (Die Stadtbewohner, die von den umliegenden Ortschaften auch heute noch als „Geiser Fresser" bezeichnet wer den, haben diesen Tag erstaunlicherweise vergessen.) |
| Geis am Rain | Wortspiel in Anlehnung an den rheinischen Karneval. Die vielen Raine der Stadt Geisa sind in dem Gedicht „Lob der Rainstadt" von Otto Brosinski beschrieben. |
| Geiß | Wappentier der Stadt und des GHCC |
| Geldbeutel auswaschen |
Am Aschermittwoch fütterten die Nimmermüden ihren Bierkater mit Hering und schüttelten übermütig den letzten Pfennig aus ihrem Geldbeutel heraus, so dass er leer und rein war wie gewaschen. |
| Hagelräder, Hahlräder |
Mit Stroh, Flachs und Pech umwickelte und mit Petroleum getränkte Wagenräder, die am Abend des Hutzelsonntags angezündet und vom Berg ins Tal gerollt werden (Mundartl. Hoalräder). |
| Hinkelshagen | Wie uns die älteren Bürger
erzählten, soll der einstige Buchbindergehilfe von Fabian Farnung und
spätere Klosterbruder Donatus (Ludwig) Pfannmüller in der "Fuldaer Zeitung'
eine Artikelserie unter dem Titel „Mein Weg nach Hinkelshagen"
veröffentlicht haben. Ihr lagen einige alte Geisaer Schrullen zugrunde.
Namen und z. T. auch Tatsachen waren in dichterischer Freiheit geändert.
Nach einem Protestschreiben einiger Geisaer Bürger sei die wöchentliche
Druckfolge eingestellt worden. Uns liegt dazu ein Brief von Pfannmüller an den damaligen Bürgermeister Hohmann vor, in dem er am 15. 11. 1927 u. a. schreibt: „...Heute kam mir ein Protestschreiben einer Anzahl Geisaer Bürger zu Gesicht, das mich ebenso erstaunt, wie es mich schmerzt ... Ich habe nicht im entferntesten daran gedacht, weder die Stadt Geisa als solche lächerlich zu machen, noch einzelne Bürger zu kränken ... Wie ich sehe, haben die Geisaer leider keinen Humor mehr ..." Der neuen Geisaer Karnevalsvereinigung blieb es vorbehalten, den Dichter zu rehabilitieren und mit der Bezeichnung Geisa-Hinkelshagen den sprichwörtlichen Geisaer Humor erneut zu bestätigen. Leider verfügt der GHCC über kein schriftliches Zeugnis der Pfannmüllerschen Dichtungen. |
| Hutzel | Gedörrte Zwetschgen, Birnen- oder Apfelschnitzen. Eier, Fleisch und Hutzeln waren früher die Hauptspeisen zum Hutzelsonntag. Die Kinder gingen von Haus zu Haus und „haischten" mit dem Vortragen von traditionellen Liedern und Gedichten eine Spende. |
| Hutzelsonntag | Der erste Fastensonntag. Am nächstgelegenen Berg jeder Ortschaft im Gemeindeverband Geisa wird nach alter Tradition auch heute noch ein Feuer, das Hutzelfeuer, angezündet. |
| Karneval | In unserem speziellen Fall neue, streng organisierte Form der althergebrachten Geisaer Foasenacht. Alter germanischer Ursprung wurde mit den Traditionen aus Ländern mit vorwiegend katholischer Bevölkerung und den Formen des rheinischen und hessischen Karnevals vermengt. |
| Mummenschanz | Maskenspiel |
| Rosenmontag | Rasender Montag mit Ulkszenen, Verkleidung und Mummenschanz, überliefert aus altgermanischer Zeit, damals als Symbol des Kampfes zwischen Winter und Sommer. Abends fand in der Rhön früher der sogenannte „Floastanz", der Flachstanz der Verheirateten, statt, an dem die jungen Leute nicht teilnehmen durften. Die Frauen mussten hohe Sprünge machen, um ein gutes Gedeihen des Flachses zu bewirken. |